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01.03.2017
100 Jahre Verband Deutscher Schleifmittelwerke e.V. (VDS)

Am 17. Januar 1917 traf sich eine Gruppe engagierter Schleifwerkzeughersteller in Berlin und gründete den Verband Deutscher Schleifmittelwerke (VDS). Ziel der Gründungsfirmen mitten in den Wirren des 1. Weltkriegs war es, ihre Interessen gegenüber den Reichsbehörden zu bündeln, denn Rohstoff- und Energieknappheit bedrohten die Existenz so mancher Firma. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Das verbandseigene Bürohaus in der Berliner Grolmanstraße wurde­ im 2. Weltkrieg durch einen Bombenangriff komplett zerstört. Alle Unterlagen wurden vernichtet. Über verschiedene Stationen, so unter anderem Offenbach am Rhein, zog der VDS schließlich Ende der 40er Jahre nach Bonn. Die räumliche Nähe zur Regierung war wichtig für eine Industrie, die Schlüsselcharakter hat. Und in der Tat, die Zerspanung mit geometrisch unbestimmter Schneide, so die etwas sperrige aber zutreffende Bezeichnung für Schleifen­, ist aus der modernen Industriegesellschaft nicht mehr wegzudenken. Metalle, Holz, Kunststoffe, Glas, Naturstein, Baumaterialien, selbst Seide und Leder werden mit optimal auf den Anwendungsfall abgestimmten Schleifwerkzeugen bearbeitet. Die Branche ist klein, doch die Bedeutung der Schleifwerkzeuge in den Anwenderindustrien ist gewaltig. Und dabei handelt es sich um ein uraltes Fertigungsverfahren. Quarzsand vermischt mit Wasser oder Öl wurde von den Steinzeitmenschen benutzt, um ihren Werkzeugen und Waffen die gewünschte Form und Oberfläche zu verleihen. Das war vor an­nähernd 10.000 Jahren.

Heute hat der VDS 57 Mitglieder, darunter auch einige aus Öster­reich und der Schweiz. Und wie ein roter Faden ziehen sich zahlreiche Themen durch die nunmehr­ hundertjährige­ Geschichte: Normung für Schleifwerkzeuge, Schutz des Anwenders beim Schleifen, Abstimmung mit den Gewerbeaufsichtsämtern, Umweltfragen und Arbeitssicherheit. Die Bündelung der Mitgliederinteressen und ihre Vertretung gegenüber den politischen Entscheidungsträgern ist nach wie vor eine der Kernaufgaben des Verbandes. Um diese Ziele auch auf europäischer Ebene zu erreichen, arbeitet der VDS seit 1955 eng mit dem europäischen Schleifmittelverband FEPA mit Sitz in Paris zusammen. 1956 gründeten VDS-Mitgliedsfirmen die Forschungsgemeinschaft Schleiftechnik (FGS). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, durch vorwettbewerbliche Gemeinschaftsforschung mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Zukunft des Schleifens langfristig zu sichern. Mehr als 170 Forschungsprojekte wurden seitdem durchgeführt, und zahlreiche ehemalige Diplomanden und Doktoranden arbeiten heute in Führungspositionen bei Technologieunternehmen und bringen dort ihr Wissen ein, wie man schwierige­ Bearbeitungsaufgaben durch Schleifen löst.

Schließlich war es im Jahre 2000 dem Engagement von 12 VDS-Mitgliedern im Verbund mit einigen­ weiteren europäischen Schleifmittel­herstellern zu verdanken, dass die weltweit tätige Organisation für die Sicherheit von Schleifwerkzeugen (oSa) gegründet wurde. Der oSa gehören heute 55 Mitglieder an, die sich verpflichtet haben, höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechende Schleifwerkzeuge herzustellen. Die Geschäftsbesorgung liegt in den Händen des VDS.

Im hundertsten Jahr seines Bestehens­ beweist der Verband Deutscher Schleifmittelwerke, dass eine jahrtausende alte Fertigungstechnologie auch heute noch ihre Daseinsberechtigung hat, wenn Unternehmertum, Mut und Inno­vationskraft die Trieb­federn sind. Für den VDS wird sich nach einer bewegten Geschichte der Kreis schließen, wenn sich im Septem­ber 2017 die Mitglieder am Gründungsort­ Berlin versammeln, um die hundertjährige Erfolgs­geschichte angemessen zu feiern.

 

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